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Was bestimmt diesen Monat?

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Was bestimmt diesen Monat?
Eingangstor zum Friedhof in Merkelbach © Rudi Grabowski

Eine Mauer, ein schmiedeeisernes Tor?

Es ist die Einfriedungsmauer eines Friedhofes mit seinem Zugangstor. Ein Bild für den November. Man könnte sagen: Wer durch dieses Tor tritt, kommt in eine andere Welt. Jene, die in dieser anderen Welt sind, sollen ihren Frieden und ihre Ruhe haben, fern der Hektik des vergänglichen Lebens. Deshalb hat man die Orte der Totenruhe umfriedet, hat sie abgetrennt von der Welt der Lebenden. Ganz sicher schwingt zumindest auch ein wenig Angst mit bei uns Lebenden, dass wir die Toten heute auch außerhalb der unmittelbaren Lebensbereiche unserer Wohnungen bestatten. Denn der Tod ist uns fremd. An manchen Orten finden sich die Friedhöfe rund um die Kirchen, oft mitten im Ort. Ein Hinweis, dass die Verstorbenen doch nicht so fremd und weit weg sind? Ein anderer Bestattungsort ist seit einigen Jahren der Fried- oder Ruhewald, noch weiter weg von uns. Sind die Toten uns wirklich so fremd geworden?

Ein kleiner Text des Dichters und Theologen Charles Péguy, den er selbst aus gläubigem Herzen kurz vor seinem Sterben aufgeschrieben hat, kann das Tor öffnen in die andere Welt. Charles Péguy schreibt:

„Der Tod ist nichts, ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen. Ich bin ich, ihr seid ihr. Das, was ich für euch war, bin ich immer noch. Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt. Sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt. Gebraucht nicht eine andere Redensweise, seid nicht feierlich oder traurig. Lacht weiterhin über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben. Betet, lacht, denkt an mich, betet für mich. Damit mein Name im Haus ausgesprochen wird, so wie es immer war, ohne irgendeine besondere Betonung, ohne die Spur eines Schattens. Das Leben bedeutet das, was es immer war. Der Faden ist nicht durchschnitten. Warum soll ich nicht mehr in eueren Gedanken sein, nur weil ich nicht mehr in euerem Blickfeld bin? Ich bin nicht weit weg, nur auf der anderen Seite des Weges.“

Unsere Toten sind in Gott geborgen. Das Tor in die andere Welt ist die endgültige Begegnung mit IHM. Das ist Trost auch im Angesicht des Todes.

Ihr P. Guido Dupont O.Cist.